Konflikte. Jeder kennt sie, der eine mehr, der andere weniger. Sie verursachen Wut, Angst und Frustration. Im schlimmsten Fall machen sie krank und depressiv – oder sind gar Ursache für Amokläufe.
Oft wissen wir nicht wie wir es anpacken sollen, aus einer Konfliktsituation wieder herauszukommen. Wohlbekannte Strategien zum Umgang mit Konflikten sind zum Beispiel diese:
Wir schweigen, schlucken unsere verletzten Gefühle herunter und fressen den Ärger in uns hinein, bis sich unser Körper mit Krankheitssymptomen meldet. Den Satz: "Der Ärger schlägt ihm auf den Magen" kennen Sie sicher auch. Es ist viel Wahres dran: Magengeschwüre entstehen nicht selten wegen unterdrückten Ärgers.
Oder das langsam gefüllte Fass von Ärger und Frust läuft irgendwann über: Man explodiert irgendwann und macht dem angestauten Ärger in einer lautstarken, oft ungerechten und sehr verletzenden Art und Weise Luft.
Wieder andere umschiffen Konfliktgespräche durch das Schaffen von Fakten: Sie äußern nicht rechtzeitig ihren Unmut sondern stellen den anderen vor vollendete Tatsachen, ohne ihm noch eine Chance zum Eingreifen zu geben. Solche Situationen kennen wir zur Genüge aus Situationen, in denen sich ein Mensch 'ganz plötzlich' von seinem Partner trennt. Der 'plötzlichen' Trennung voraus ging wahrscheinlich langfristige Unzufriedenheit, die aber nicht besprochen wurde.
Das menschliche Leben ist nun einmal nicht frei von Auseinandersetzungen. Es sei den, Sie leben als Eremit, der niemand anderem begegnet. ;-)
Wo Menschen in Kontakt treten und miteinander arbeiten, gibt es immer Reibungspunkte aufgrund unterschiedlicher Ansichten, Überzeugungen, Wünsche und Werte. Niemand kann permanent mit seiner Umwelt in völliger Übereinstimmung leben.
Es ist nicht "schlimm", Meinungsverschiedenheiten zu haben, wenn es um unterschiedliche Interessen geht. "Schlimm" wird das nur, wenn eine Meinungsverschiedenheit sich manifestiert und sich das Ganze zu einem handfesten Konflikt auswächst.
Dabei fangen alle Konflikte klein an. Und in der Anfangsphase gibt es oft noch gute Klärungschancen.
Eine solche Klärung setzt aber den Mut zum Streiten voraus. Aus Scheu vor Konflikten vermeiden viele klärende Gespräche.
Warum eigentlich? Machen Sie sich konstruktives Streiten doch zum Freund.
Es hat nämlich viele Vorteile:
- Jeder bezieht klar Position beziehen und legt seine Ziele offen. Damit kommen Differenzen und widerstreitende Interessen ans Tageslicht, werden erst einmal deutlich ausgesprochen. So haben alle Beteiligten den gleichen Informationsstand.
- Die Konfliktpartner lernen sich – und ihre Konfliktpartner – besser kennen und verstehen. Sie werden mit anderen Überzeugungen und Ansichten konfrontiert, die sie vielleicht noch gar nicht in Betracht gezogen haben. So können sie Neues dazulernen und sich persönlich weiterentwickeln.
- Die Energie, die in Aggressionen, Erduldung und versteckte Angriffe und deren Verteidigung geflossen ist, kann nun für konstruktive Lösungssuche aufgewendet werden.
- Es können Lösungen, Ideen und Ansätze gefunden werden, die für alle bereichernd sind.
- Zwischenmenschliche Beziehungen bekommen durch die intensiven Gespräche eine neue Qualität – Sie kennen sicher den Spruch "Streiten verbindet".
Also, keine Konfliktscheu: Streiten Sie. Aber konstruktiv.
Foto: Dieter Schütz, pixelio


Solveig Boy