Viele Menschen haben schon früh erfahren, dass sie Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Zuwendung erhalten, wenn gute oder sehr gute Leistungen erbringen.

Manche entwickeln das Gefühl, nichts wert zu sein ohne herausragende Leistungen. Es fällt Ihnen schwer, mit sich selbst zufrieden zu sein. So entwickelt sich ein Hang zum Perfektionismus.

"Ganz oder gar nicht" ist ihr Lebensmotto. Sie geben sich mit 100-prozentiger Arbeit nicht zufrieden, es müssen 150 Prozent sein.

Die Perfektionisten sind diejenigen unter Ihnen,

  • die eine Aufgabe übergenau und übergewissenhaft erledigen – ganz gleich, wie viel Zeit dies kostet
  • auf die sich der Chef immer verlassen kann.
  • die die Arbeit auch notfalls noch mit nach Hause nehmen.

Doch was passiert wenn

  • immer neue, zusätzliche Aufgaben erteilt werden?
  • sich die Unternehmensstrategie wöchentlich oder gar täglich ändert?
  • alle 30 Minuten per Mail eine neue Aufgabe zugeschickt wird, die schnell nebenher erledigt werden muss?
  • aufgrund der vielen Unterbrechungen nicht mehr das geschafft werden kann, was eigentlich getan werden müsste?

Dann erhöhen die Perfektionisten ihren Arbeitseinsatz, denn es kann ja nicht sein, dass Sie das Arbeitspensum nicht bewältigen. Etwas nicht zu schaffen, heißt, versagt zu haben. So arbeitet der Perfektionist notfalls eben Tag und Nacht.

Wir finden diese Menschen in allen Positionen, wo sie sich ganz Ihrem Beruf hingeben und lange Zeit lichterloh brennen, bis sie total erschöpft und ausgebrannt sind.

Aber: Gibt es 'perfekt' überhaupt? Gibt es nicht immer noch jemanden, der sagt: "Aber diesen oder jenen Aspekt könnte man auch noch einarbeiten."

Meistens steckt hinter Perfektionismus auch die Angst, angegriffen oder kritisiert zu werden. So nach dem Motto: "Wenn ich an alles denke, können keine Fragen kommen, die ich dann nicht beantworten kann." Doch kein Mensch weiß alles und hat auf jede Frage eine Antwort.

Also: Mut zur Lücke!

Leichter gesagt als getan.

Wie können Sie Ihr Verhaltensmuster als Perfektionist unterbrechen?

Zum Beispiel mit Hilfe des Pareto-Prinzips:

Machen Sie sich bitte das Pareto-Prinzip, die 80:20 Regel, bewusst. Sie kennen Sie möglicherweise aus dem Zeitmanagement.

Die Regel besagt, dass Sie mit 20 % Ihres Einsatzes 80 % der maximal möglichen Wirkung erreichen. Aber 80% sind Ihnen sicher nicht genug.

Nun stellen Sie sich vor, für die noch fehlenden 20 % zum Perfekten benötigen Sie dann aber 80 % der Zeit und Energie.

Wenn Sie für die Vorbereitung einer Präsentation 1 Stunde gebraucht haben, um sie gut und inhaltlich vollständig zu gestalten (80 %), brauchen Sie nun noch einmal 4 Stunden, um Sie perfekt zu machen.

Was könnten Sie in diesen 4 Stunden nicht alles schaffen… oder vielleicht sogar mal pünktlich nach Hause gehen.

Und Sie können sicher sein: Ihr eigener hoher Anspruch an sich selbst wird Sie immer davor bewahren, Ihre Aufgaben nicht gewissenhaft zu erledigen. Auch wenn Sie nach Ihren Maßstäben "nur" ein 80-prozentiges Ergebnis abliefern.

Noch einige konkrete Tipps für den Alltag:

Überlegen Sie beim nächsten Projekt, welche Ihrer Tätigkeiten dazu dienen, das Ergebnis letztlich nur minimal zu verbessern. Dafür müssen Sie sich über Ihre inneren Abläufe etwas klarer werden und darüber, wie viel Zeit Sie wohinein investieren wollen und welches Ergebnis jeweils folgt.

Legen Sie vorab fest, wann konkret oder nach welchem Energie-/Arbeitsaufwand oder bei welchem Ergebnisstand Sie stoppen wollen.

Bei unklaren Aufträgen lohnt sich, etwas Zeit verstreichen zu lassen. So erledigen sich Dinge manchmal von selbst.

Man muss auch nicht ständig ansprechbar sein. Räumen Sie sich Arbeitszeiten ein, in denen Sie nicht gestört werden möchten und in denen auch das E-Mail-Programm geschlossen ist.

Foto: Sigrid Rossmann, pixelio

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