Mit Pillen gegen Depressionen

Mit Pillen gegen Depressionen

Mit Pillen gegen DepressionenÄrzte verordnen Berufstätigen mehr Mittel gegen Depressionen – am öftesten in Bayern. Das geht aus einem Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse hervor, auf den jetzt ZEIT ONLINE verweist.

Demnach habe sich das Volumen der verschriebenen Antidepressiva unter Deutschlands Beschäftigten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt: Im Vergleich zum Jahr 2000 gebe es eine Steigerung von 113 Prozent.

Statistisch gesehen erhielt jeder Berufstätige 2009 für acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen. Frauen erhielten im Schnitt mit 10,5 Tagesrationen deutlich mehr Antidepressiva als Männer, die Medikamente für sechs Tage verschrieben bekamen.

Doch häufig steckt hinter einer Depression auch ein Burnout. Der Prozess hin zur Depression ist oft schleichend. Ehemals engagierte Mitarbeiter/innen fühlen sich den Belastungen im beruflichen und privaten Alltag nicht mehr gewachsen. Sie fühlen sich müde, erschöpft und ausgelaugt. Oft klagen sie auch über Beschwerden des Herzkreislaufsystems, der Verdauung und der Atemwege.

Gerade Frauen sind durch die Doppelbelastung mit Familie und Beruf besonders gefährdet. Aus meiner Erfahrung mit Burnout-Betroffenen  neigen Frauen eher zu depressiven Verstimmungen. Männer kompensieren Stress eher mit Alkohol oder Zigaretten.

Der Besuch beim Arzt ist dann häufig auch ein Hilfeschrei. Antidepressiva helfen zwar kurzfristig. Doch die eigentliche Krise in der der Betroffene steckt bleibt oft unerkannt.

Die bisher auf den Arbeitsbereich beschränkte Erschöpfung, der Verlust an Motivation und der Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit greifen auf andere Lebensbereiche über. Die Interaktion mit anderen Menschen wird immer schwieriger und häufig ist Rückzug aus den sozialen Beziehungen die Folge. Diese Faktoren verstärken wiederum das Stresserleben am Arbeitsplatz. So ist der Betroffen im Burnout-Teufelskreis gefangen.

Doch nicht nur für den Betroffenen hat ein Burnout negative Auswirkungen.

Verstärkte Krankheitsanfälligkeit führt zu häufigen Krankschreibungen. Damit verbunden sind  Produktionsausfällen. Zudem können reduzierte Arbeitsmotivation und weniger Energie für berufliche Aufgaben zu Produktivitätseinbussen führen.

Aus Angst um den Arbeitsplatz nehmen Arbeitnehmer sich oft nur eine kuze Auszeit. Sie kommen zur Arbeit obwohl sie eigentlich krank sind. An ihrem Arbeitsplatz erbringen sie aber nicht die gewünschten Leistungen und stecken möglicherweise auch andere Arbeitnehmer an.

In der Abwesenheitsstatistiken des Unternehmens fällt das aber nicht auf.

Bei fortgeschrittenem Burnout bleiben Arbeitnehmer oft dem Arbeitsplatz lange fern oder kommen im schlimmsten Fall nicht wieder ins Unternehmen zurück. Somit entstehen dem Unternehmen erneute Kosten.

Sie müssen einen neuen Mitarbeiter suchen und ihn einarbeiten. Das Know How und die Erfahrungen des „ausgebrannten“ Mitarbeiters gehen dem Unternehmen verloren.

Stress am Arbeitsplatz und mangelnde Gesundheitsförderung führen auf lange Sicht zu erheblichen Kosten für das Unternehmen. Auch im Zuge des demografischen Wandels ist die Gesunderhaltung der Mitarbeiter nicht zu unterschätzen. Wer in der Zukunft wettbewerbsfähig sein will, braucht leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter.

Prävention ist da das Schlüsselwort.

Foto: Rainer Sturm, pixelio

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