Erst kürzlich las ich in einer amerikanischen Fachzeitschrift einen interessanten Artikel über Emotionen.

Es ging um einen Patienten der durch einen Fehler des Operateurs von seinen Gefühlen abgekoppelt wurde.

Was war passiert?

Der Patient war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der wegen eines Hirntumors operiert werden musste. Beim Entfernen des Tumors kappte der Neurochirurg versehentlich die Verbindung zwischen dem Frontallappen (Denkzentrum) und dem Amygdala (Emotionszentrum).

Nachdem der Patient sich erholt hatte, war er nicht mehr wiederzuerkennen. Im Interview berichtete er völlig distanziert und kühl über die Tragödie seines Lebens. Er sprach über die Ereignisse aus der Sicht eines Zuschauers und nicht aus der Sicht eines Betroffenen. Es waren keine Gefühlsregungen bei ihm zu sehen oder zu spüren.

Die Auswirkungen waren verheerend.

Im Umgang mit anderen Menschen war sein Verhalten unangemessen. Er konnte nur noch auf der Sachebene mit ihnen kommunizieren. Ohne Gefühle konnte er keine Beziehung eingehen.

Bei der Bitte einen neuen Termin für ein Gespräch festzulegen, antwortete der Patient mit einer langen Liste von Argumenten, die für die eine oder andere Zeit sprachen. Sachen wie: Wenn ich um 10 Uhr komme, kann ich den Bus nehmen, komme ich aber am Nachmittag und bleibe bis nach 17 Uhr komme ich mit dem Bus nicht mehr nach Hause. Er versuchte auf rein rationaler Ebene eine Entscheidung zu finden, jedoch war er nicht in der Lage sich für eine Zeit zu entscheiden.

Die rationale Ebene unseres Geistes, unserer Psyche, findet eine Menge Alternativen und Möglichkeiten, aber um eine Entscheidung zu treffen, brauchen wir unsere emotionalen Fähigkeiten. Unser Gefühl bewertet jede Option und was sich vom Bauch am besten anfühlt, wo es die besten positiven Erfahrungen gibt, dafür fällt die Entscheidung.

Emotionen bestimmen oft zu einem großen Teil unser Verhalten, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Sicher kennen Sie das auch. Sie gehen mit dem festen Vorsatz, sich ein schwarzes Kleid für einen Empfang zu kaufen, in einen Laden. Dort finden sie viele schöne Stücke. Sie probieren auch einige schwarze Kleider an. Doch Ihr Gefühl sagt Ihnen, dass das rote mit den Spagettiträgern dann doch am besten zu Ihnen und zum Anlass passt.

Auf der anderen Seite können uns unsere Gefühle in einem Entscheidungsprozess auch stark behindern. So sind wir nicht mehr in der Lage, die rein sachlichen Gründe zu betrachten und abzuwägen. Wir entscheiden nur aus dem Bauch heraus, was auch fatale Folgen haben kann.

Stellen Sie sich vor: Sie träumen schon lange von einem schnellen Flitzer. Bei einer Autoshow sehen Sie Ihren Traumwagen. Sie machen eine Probefahrt und Ihre Gefühle schlagen Purzelbäume. Das tolle Fahrgefühl, die schnelle Beschleunigung und natürlich das coole Design. Kurzerhand entscheiden Sie aus dem Bauch heraus, diesen Wagen zu kaufen. Sie nehmen einen Kredit auf und später merken Sie, dass die monatlichen Raten Ihnen nur noch wenig Spielraum für andere Aktivitäten lassen und Sie sich den Wagen eigentlich gar nicht leisten können.

Adäquate Entscheidungen erfordern eine bewusste Wahrnehmung unserer Gefühle. Nur wer seine Gefühle kennt und beherrscht, ist ihnen nicht ausgeliefert.

Lesen Sie im nächsten Kapitel wie es uns gelingen kann unsere Gefühle bewusst wahrzunehmen und sie zu beherrschen.

Foto: S. Hainz / pixelio.de

1 Antwort : “Plötzlich ein Herz aus Stein”

  1. Der Beitrag hat mich wirklich Bewegt. Es ist schlimm das der Arbeitsalltag immer Kühler wird, dass die Arbeitskollegen nicht mehr miteinander Reden, da der Konkurenz-Kampf zu gross ist.
    Meistens Hilft dann nur noch ein Business Coach!

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