Jetzt auch noch Gesundheit…

 Jetzt auch noch Gesundheit…

„Nun sollen wir uns auch noch um die Gesundheit unserer Mitarbeiter kümmern." Da wird der eine oder andere sagen, was denn noch alles.Führung in schwierigem Gelände

Die Gesundheiterhaltung von Mitarbeitern rückt immer mehr in den Fokus und somit steht Führungsverhalten auf dem Prüfstand. Denn Zusammenhänge zwischen Führung und Gesundheit der Mitarbeiter sind in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Wie führe ich gesund?

Haben Sie sich diese Frage schon einmal selbst bzw. den Führungskräften in Ihrem Unternehmen gestellt?

Im ersten Moment schauen Sie sicher alle etwas verwirrt an, einige schütteln den Kopf andere zucken mit den Schultern. Doch bei näherer Betrachtung der Frage gehen die Antworten in sehr unterschiedliche Richtungen. Eine eindeutige Definition ist nur schwer zu finden.

Die Frage „Was macht Sie selbst und was macht Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank?" ist für viele besser greifbar. Die Antworten werden zeigen, dass die Einflüsse vielfältig sind und dass Krankheit das Unternehmen viel Geld kostet. Somit lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Thema „Gesundes Führen“

Welchen Einfluss hat Führung auf die Gesundheit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

  • Vielleicht kennen Sie den zentraler Satz aus der im Jahr 2000 erschienenen VW-Studie von Professor Peter Nieder. „Eine Führungskraft nimmt ihren Krankenstand mit, wenn sie versetzt oder befördert wird!"
  • Prof. Nieder stellt deutlich den Zusammenhang von Führung und Gesundheit bzw. in diesem Falle Krankheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar:
  • Im Jahr 2002 kommen Ilmarinen und Tempel in einer Studie zu dem Ergebnis: „Gutes Führungsverhalten und gute Arbeit von Vorgesetzten ist der einzige hoch signifikante Faktor, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem 51. und 62. Lebensjahr nachgewiesen wurde."
  • Eine INQA-Studie aus dem Jahr 2005 belegt: Wichtig für „Gute Arbeit" sind Anerkennung und Wertschätzung der Person.
  • Die Fürstenberg-Performance-Studie aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass sich 60 Prozent der Befragten durch die Bedingungen am Arbeitsplatz belastet fühlen. 27 Prozent nennen in dieser Studie bei den größten Problemen am Arbeitsplatz mangelnde Anerkennung.
  • Ein weiteres durch Führung stark beeinflusstes und zunehmend auftretendes Problem ist der Präsentismus. Mitarbeiter erscheinen bei der Arbeit, obwohl sie sich krank fühlen und eigentlich zu Hause bleiben sollten. Ihre Leistungsfähigkeit ist reduziert und nicht zuletzt stecken sie die Kollegen an. Doch aus Angst vor Arbeitsplatzverlust oder starkem Pflichtbewusstsein schleppen sie sich zur Arbeit.
  • Studien aus den USA kommen zu dem Ergebnis, dass die durch Präsentismus verursachten Kosten fast dreimal so hoch sind wie der Produktivitätsverlust durch Fehltage. Auch auf diese Verhaltensweise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben Führungskräfte maßgeblichen Einfluss.

Wie ist das bei Ihnen im Unternehmen? Vielleicht fallen Ihnen Mitarbeiter ein, die sich so verhalten.

Gutes gesundheitsorientiertes Führungsverhalten erhält also gesund – schlechtes Führungsverhalten senkt nicht nur die Leistungsbereitschaft, sondern kann letztendlich krank machen und führt in vielen Fällen zu Fluktuation.

Gängige Praxis ist es, sich von Mitarbeitern zu trennen, die häufig krank sind. Nur selten wird nach den Gründen geforscht. Das schlechtes Führungsverhalten die Ursache sein könnte, wird selten in Erwägung gezogen.

Doch kann es sich ein Unternehmen erlauben, gut ausgebildete und erfahrene Mitarbeiter durch krankmachendes Führungsverhalten zu verlieren?

Warum ist gerade heute Gesundes Führen ein so wichtiges Thema?

  • Auf Grund der demografischen Entwicklungen hat der Kampf um die besten Arbeitskräfte schon in vielen Branchen begonnen. Nur mit gut ausgebildeten und leistungsbereiten Mitarbeitern kann ein Unternehmen konkurrenzfähig sein. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.
  • Rente mit 67, bedeutet für Unternehmen, sie müssen die Beschäftigten über einen längeren Zeitraum als noch vor einigen Jahren physisch und psychisch leistungsfähig halten. Bei der Arbeitgeberauswahl ist für viele Nachwuchskräfte ein wichtiges Kriterium, was das Unternehmen ihnen für Möglichkeiten bietet, langfristig gesund zu bleiben. Das Verhalten der Führungskräfte ist ein entscheidendes Element dafür.

„Erst brennen, dann ausbrennen"

Jung, dynamisch, ehrgeizig und hoher Leistungswille, Merkmaler junger Nachwuchskräfte. Sie arbeiten viel und sind immer einsatzbereit. Doch was passiert in den meisten Unternehmen: diese Leute werden „verheizt“, oft bis sie nicht mehr können.

Ergebnis: „Ausgebrannt“ Sie fallen lange aus und nur die wenigsten kommen ins Unternehmen zurück.

Wenn Kurzfristige wirtschaftliche Erfolge wichtiger als physische und zunehmend auch psychische Gesundheit sind, und sich dies außerhalb des Unternehmens durch Mundpropaganda herumspricht, dann wird es schwierig neue Mitarbeiter zu finden.

„Unter dem Chef, will keiner arbeiten…“ schlechtes Führungsverhalten hat also nicht nur Einfluss auf den Krankenstand und die Fluktuation des eigenen Bereichs oder der eigenen Abteilung, sondern kann sich maßgeblich auf die Neugewinnung von Mitarbeitern auswirken.

Ein schlechtes Image wieder „aufzupolieren" dauert häufig Jahre, während ein positives Image innerhalb kürzester Zeit ruiniert sein kann.

Was ist Gesundes Führen?

Führen in Bezug auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet, wenn man dem Kern verschiedener Definitionen von Führung (siehe u. a. Neuberger 2002) folgt, die zielgerichtete bzw. zielorientierte Beeinflussung von Personen. Gesundes Führen heißt demnach zielorientierte Beeinflussung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich physisch und psychisch gesund zu erhalten.

Ziele von Gesundem Führen sind die Senkung der körperlichen und psychischen Beschwerden sowie die Steigerung der Arbeitszufriedenheit. Effekte, die daraus resultieren, sind Senkung von Fehlzeiten und Fluktuation sowie Steigerung der Leistung. Insgesamt gesehen leistet Gesundes Führen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

Welche Maßnahmen und Aktivitäten etablieren Sie in Ihrem Unternehmen, um die Führungskräfte im „Gesunden Führen" fit zu machen?

Ein Gedanke zu „Jetzt auch noch Gesundheit…

  1. Hallo Frau Boy

    Ich bin durch Ute Scheer auf Sie aufmerksam gemacht worden.
    Zum obigen Thema biete ich Tages Seminare an. Die Mitarbeiter verstehen danach wie die berufsbedingten Schmerzen entstehen und ich zeige ihnen danach Übungen die sie direkt an ihrem Arbeitsplatz/Freizeit trainieren können damit diese Schmerzen verhindert werden.
    Wenn Sie Interesse an einem Gespräch haben melden Sie sich bitte. Gruß Einfeldt

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