Burnout raus aus der Tabuzone

Projekt II
Burnout raus aus der Tabuzone

Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie Niedersachsen
300 Mitarbeiter

Ziel: Die Personalabteilung und der Betriebsrat wollen das Thema psychische Erschöpfung

Bildquelle: Gerd Altmann pixelio.de

und Burnout aus der Tabuzone holen und die Führungskräfte befähigen, mit psychisch überlasteten Mitarbeitern besser umgehen zu können.

Ausgangssituation

Psychische Gesundheit im Unternehmen zum Thema zu machen, ist für viele mit Unsicherheit verbunden. Es gibt nur wenig Wissen darüber wie psychische Erkrankungen im Kontext von Arbeit entstehen. Führungskräfte sind sich nicht sicher wie sie im Rahmen der Fürsorgepflicht mit psychisch überlasteten Mitarbeitern umgehen sollen.

Da die Arbeitsverdichtung zu häufigen Langzeiterkrankten geführt hat und in BEM-Gesprächen deutlich wurde, dass die veränderten Arbeitsbedingungen psychische Erschöpfung begünstigen, wollte der interne Arbeitskreis Gesundheit das Thema psychische Gesundheit systematisch angehen.

Ablauf der Beratung und Umsetzung

  1. Problemstellung klären und Ziele definieren
  2. Analyse der Ist-Situation

Im Steuerkreis wurde gemeinsam mit der Geschäftsführung festgelegt, das eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen in Form einer Mitarbeiterbefragung durchgeführt werden sollte. Außerdem sollten die Gesundheitsberichte der Krankenkassen angefordert und die Erkenntnisse aus den BEM-Gesprächen mit einfließen.

Vor der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen wurden die Verantwortlichen und Rahmenbedingungen im Betrieb genau geklärt. Die Mitarbeiter und Führungskräfte wurden umfassend informiert. Auf einer Betriebsversammlung und in einem Flyer wurden verdeutlicht, dass nicht das Befinden des Einzelnen, sondern die Arbeitsbedingungen untersucht werden.

Die Führungskräfte wurden aktiv in den Prozess eingebunden, um ihre Bereitschaft zu stärken, sich dem Thema zu öffnen.

Konkrete Maßnahmen:

  • Führungskräftetranings
  • Analyseworkshops mit den Mitarbeitern in den einzelnen Abteilungen

Da die Führungskräfte eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der psychischen Gesundheit spielen, wurden flankierend zwei Führungskräftetrainings zu den Themen „Gesundhei als Führungsaufgabe" und „Brennen ohne Auszubrennen" Umgang mit psychisch überlasteten Mitarbeitern durchgeführt.

In den Trainings erfuhren die Führungskräfte etwas über die Zusammenhänge von Arbeitsbedingungen, Führungsverhalten und Mitarbeitergesundheit. Sie wurden außerdem befähigt die Anzeichen von Überforderung zu erkennen, Wesens-und Verhaltensänderungen bei Mitarbeitern wahrzunehmen und mit einem Fürsorgegespräch angemessen zu reagieren.

Ich moderierte die Analyseworkshops, um gemeinsam mit den Mitarbeitern die Belastungsschwerpunkte im Arbeitsbereich zu identifizieren. Da die Mitarbeiter die Experten an ihrem Arbeitsplatz sind, wussten sie am besten, welche Lösungen umgesetzt werden können.

Eine Lösung war, feste Jour-Fix -Zeiten mit dem Abteilungsleiter, wo Probleme in der Arbeitsorganisation oder in Auftragserfüllung angesprochen und Lösungen gefunden wurden Reibungsverluste und Produktivitätssteigerung waren die Folge.

Außerdem wurden Krankenrückkehr-und Fehlzeitengespräche zu festen Bestandteilen der Führungsaufgaben.

Damit veränderte sich die Kommunikationskultur im Unternehmen. Transparenz und Infomation über die Ziele und das Verfahren haben dazubeigetragen, dass viele Mitarbeiter sich aktiv beteiligt haben. Führungskräfte und Mitarbeiter traten in einen besseren Kontakt, Belastungen werden jetzt frühzeitig angesprochen und  konstruktiv nach Lösungen gesucht. Das Betriebsklima hat sich nachhaltig verbessert.

Doch es wird noch einige Zeit dauern, bis alle Mitarbeiter das Vertrauen haben, sich an ihre Führungskraft zu wenden, wenn sie sich psychisch überfordert fühlen.

Die Bereitschaft ist jedoch gewachsen, sich dem Thema „Psyche“ zuzuwenden.

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