Klein starten und groß rauskommen

Projekt IV
Vom Obstkorb zum BGM

Dienstleistungsunternehmen in Niedersachsen
193 Mitarbeitern

Häufig gibt es im Unternehmen engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die etwas für die Gesundheit Ihrer Kollegen tun möchten.

Auch in diesem Unternehmen gab es eine Projektgruppe, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig zusammenkamen und erste Ideen für mehr Gesundheit im Unternehmen entwickelten.

Dabei hatten sie vor allem die individuelle Gesundheit der Mitarbeiter im Blick. Auf ihre Initiative wurde eine Rückenschule in der Mittagspause angeboten. Neben Wasserkisten und einem Obstkorb in der Kantine wurde auch gemeinsam mit dem Cateringanbieter das Angebot an Salaten erweitert.

Am Anfang waren alle begeistert und viele Mitarbeiter nutzen die neuen Angebote. Doch die Arbeitsverdichtung nahm zu, viele Mitarbeiter kamen gar nicht mehr in die Kantine und auch bei der Rückenschule, waren immer weniger Teilnehmer.

Ziel: Nach langem Überlegen, entschied sich die Projektgruppe, dass es notwendig sei, auch die Arbeitsbedingungen in den Blick zu nehmen. Die Integration der Gesundheitsfördernden Maßnahmen in ein Gesamtkonzept BGM.

Ablauf der Beratung und Umsetzung

  1. Problemstellung klären und Ziele definieren
  2. Ist-Situation analysieren
  3. Maßnahmen entwickeln und Vorgehensweise festlegen
  4. Maßnahmen durchführen
  5. Wirksamkeit überprüfen

Ausgangsituation:

Am Anfang der Beratung stellten mir die Mitglieder der Projektgruppe ihre gesundheitsfördernden Maßnahmen vor und wir analysierten, wie gut die Angebote angenommen wurden und welche Effekte entstanden sind. Es wurde deutlich, dass die Maßnahmen nur auf der individuellen Ebene des Mitarbeiters Wirkung zeigten. Doch die Belastungen der Mitarbeiter über die Arbeitsverdichtung konnte so nicht beeinflusst werden.

Im weiteren Verlauf der Beratung war es wichtig die Geschäftsführung miteinzubinden.

Aus diesem Grund habe ich ein Workshop der Projektgruppe und den beiden Geschäftsführern durchgeführt. Gemeinsam wurde erarbeitet, welche Ziele mit einem ganzheitlichen BGM-Konzept erreicht werden sollen. Da das Thema Gesundheit für alle noch nicht so richtig fassbar war, wurde in einem Workshop auf der Führungsebene erarbeitet, welchen Wert gesunde Arbeit zukünftig für das Unternehmen haben soll. Dabei wurden auch die Krankentage und die Altersstruktur des Unternehmens in Blick genommen. Erste Erkenntnisse über mögliche Belastungen und Ressourcen wurden gewonnen. Um genauere Informationen über Handlungsfelder zu erlangen, wurde festgelegt, dass in allen Arbeitsbereichen eine vertiefende Analyse der Belastungen und Ressourcen erfolgen sollte.

In Workshops mit den Mitarbeitern der einzelnen Abteilungen wurden die Belastungen und Ressourcen benannt. Dabei wurden die Arbeitsbedingungen genauso betrachtet, wie das Führungsverhalten und die Zusammenarbeit im Team.

Ergebnisse:

  • Einführung von Krankenrückkehrgesprächen und Fehlzeitengesprächen
  • Regelmäßige Feedbackgespräche
  • Die jährlichen Mitarbeitergespräche sollten auch das Thema Gesundheit-und Gesunderhaltung einschließen
  • Lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle wurden entwickelt, um den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden.
  • Außerdem sollten wieder mehr Feste im Unternehmen gefeiert werden.

Innerhalb von 2 Jahren wurden die einzelnen Maßnahmen umgesetzt. Dabei wurden die Führungskräfte im Bereich Kommunikation weitergebildet.

Bei den ersten Feedbackgesprächen zeigte sich, dass sich einige Mitarbeiter nicht trauten, ihrer Führungskraft ehrliches Feedback zu geben. Aus diesem Grund wurden in einem Workshop Feedbackregeln erarbeitet. Die ersten Gespräche wurden moderiert, bis die Führungskräfte und Mitarbeiter sicher im Umgang mit dem Instrument waren.

BGM-Strukturen

Die neuen bzw. erweiterten Führungsinstrumente wurden standardisiert und im QM verankert.
Außerdem wurde festgeschrieben, dass die Gefährdungsbeurteilungen regelmäßig erfolgen sollen und die Ergebnisse in der Projektgruppe vorgestellt werden. Das Handlungsbedarfe abgeleitet, Maßnahmen umgesetzt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dieser Prozess wurde fest ins Qualitätsmanagement übernommen.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema “Gesunde Arbeit“ wurde deutlich, dass alternsgerechte Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, da viele Mitarbeiter älter als 50 Jahre sind. Ihre Erfahrungen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Unternehmen.